Freizeit

Der Unterschied zwischen Existieren und Leben besteht in der Gestaltung der Freizeit?!

Freizeit ist etwas Schönes. Wir können gestalten, genießen, erleben und jeder empfindet etwas anderes als besonders angenehme Tätigkeit. Doch glücklicherweise teilen viele andere die Freude an bestimmten Tätigkeiten (am Beispiel Musik). Ein komplettes Aufgehen in einer Tätigkeit bezeichnet man als Flow-Erleben, beinahe rausch-ähnlich. Das Konzept der intrinsischen Motivation lässt verstehen warum selbst wenn unsere Freizeitgestaltung auf andere manchmal anstrengend wirkt, wir dabei große Kraft und Erfüllung verspüren. Wie möchten Sie Ihre 'Me-Time' gestalten? In der Gruppe oder alleine? Nehmen Sie sich noch genug Zeit um auf Ihre Bedürfnisse zu achten? MirrorMe kann Sie darin unterstützen Ihr Leben zufriedener zu gestalten.

 

 

Jedem macht etwas anderes Spaß und trotzdem allen irgendwie das Gleiche

Was erleben Menschen als angenehme Tätigkeiten? Die Pleasant Activity List liefert einige Antworten dazu.

Pleasant Activity List

 

Verschiedene Typen

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Der Sensation-Seeker sucht sich vor allem sehr ungewöhnliche oder stimulierende Erlebnisse. Diese Sensation Seeker erleben weniger Angst und haben höheren Hang zu Risikoverhalten (Boldak & Guszkowska,2013).

Der Rentner hat sich an die neue Herausforderung der Lebensstrukturierung angepasst und nutzt seine Zeit oftmals für soziales und ökonomisches Engagement (Tavener, Vo & Byles, 2015).

Substanzabhängige führen weniger Aktivitäten der Pleasant Activity List aus (Roozen et al., 2008). Ein Aufbau der Aktivitäten wird daher zur Behandlung von Substanzabhängigkeit eingesetzt. Und nicht nur hier spielt der Aufbau von angenehmen Tätigkeiten eine Rolle. Bei Freudlosigkeit oder Unzufriedenheit ist es lohnend angenehme Tätigkeiten aufzubauen oder in der Vergangenheit gerne Ausgeführtes wieder aufzugreifen. All das hat mit Selbstfürsorge zu tun und jeder hat es verdient Tätigkeiten auszuführen, die er genießen kann.

surf-1019831_640Flow-Erleben - „Tätigkeitsrausch“

Ausblenden der Umgebung, verändertes Zeitempfinden, vollständige Hinwendung zur Tätigkeit, Freude an der Tätigkeit,… (Erstbeschreiber M. Csíkszentmihályi)

Um Flow-Erleben („sich Selbst verlieren, verändertes Bewusstsein und Zeitempfinden“) zu messen, validierten Fang, Zhang und Chan (2013) ein neues Messinstrument im Kontext von Computerspielen, bei welchen Flow-Erleben oftmals auftritt. Und zugegebenermaßen, die Dimensionen von Flow-Erleben erleichtern es, Computerspiel als potenzielle Sucht zu erkennen. Tätigkeiten, bei welche man Flow erlebt, sind zwar sehr vereinnahmend, bereiten aber auch die größte Freude.

Musik 

Spielt bei fast jedem eine Rolle, aber welche?

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Die Emotionalität der Musikwahrnehmung scheint etwas sehr spezifisches zu sein. Personen mit Autismusspektrumsstörung sind nicht fähig, visuell wahrgenommene Emotionen zu verstehen. Personen mit hochfunktionalem Autismus unterscheiden sich bei der einfachen Klassifikation von Musikstimuli nicht von Gesunden (Quintin, Bhatara, Poissant, Fombonne & Levitin, 2011). Die auditive Wahrnehmung lässt also selbst bei Krankheit emotionales Empfinden zu.

Butkovic, Ullén und Mosing (2015) zeigen, dass phänotypische Ausprägungen von Offenheit (Persönlichkeitsmerkmal), Flow-Erleben, IQ und Motivation Einfluss haben auf die Wahrscheinlichkeit, dass Personen musizieren. Dreiviertel der phänotypischen Ausprägung von Offenheit und Flow-Erleben sind laut Butkovic et al. (2015) genetisch erklärbar. Offenheit für Erfahrung (Persönlichkeitsfaktor) und Liebe zur Musik hängen zusammen (Hunter & Schellenberg, 2011). Personen mit stärkerer Ausprägung von Offenheit im Vergleich zu niedriger Offenheit hörten öfter Musik und nahmen dies auch positiver wahr.

Langmeyer, Guglhör-Rudan und Tarnai (2012) untersuchten, welche Persönlichkeitseigenschaften mit welcher Musikrichtung korrelieren. Sie fanden heraus, dass Personen hoher Ausprägung an Offenheit klassische und reflektive Musik bevorzugen und das, was Extrovertierte bevorzugt hören, nämlich energetisch, rhythmische Musik, nicht mögen. Dass Musik bei Personen unterschiedlicher Persönlichkeit zu anderen durch fMRT gezeigter neuronaler Erregung und somit zu unterschiedlicher Wahrnehmung der Emotionalität führt, zeigten Park et al. (2013) in der unterschiedlichen Aktivierung von Gehirnarealen bei extrovertierten und neurotizistischen Probanden.

Was motiviert zu Tätigkeiten? 

Es kann zwischen extrinsisch („etwas tun, damit dadurch etwas erreicht wird“) und intrinsisch („etwas tun um der Tätigkeit Willen“) motiviertem Verhalten unterschieden werden.

Beim Erreichen von Bindungs-, Leistungs- oder Machtzielen empfinden Menschen interindividuell unterschiedlich starke Befriedigung. Dies bezeichnet man als die implizite Motivstruktur. Interessant ist, dass diese nicht mit den bewusst gesetzten Zielen eines Menschen übereinstimmen muss - förderlich wäre es allerdings, denn sonst kämpft man unter Umständen für Ziele deren Erreichung dennoch nicht als befriedigend wahrgenommen wird.

Es lohnt sich also sich mit der eigenen Zufriedenheit auseinander zu setzen um dysfunktionale Anstrengungsversuche zu vermeiden, welche doch keine bessere Stimmung herbei führen.

 

Was ist der Überrechtfertigungseffekt?

Die Sozialpsychologie geht davon aus, dass intrinsisch motiviertes Verhalten schwindet durch die Darbietung einer Belohnung für dieses (= Darbietung eines extrinsischen Anreizes).

Weshalb ist das so? Wenn der äußere Anreiz stärker ist, wird die Tätigkeit aufgrund der Belohnung von außen ausgeführt und nicht primär, weil sie Spaß macht. Wenn dann der äußere Reiz wegfällt, wird die Tätigkeit vernachlässigt, da es keinen Grund mehr gibt, sie auszuüben. Soweit die Theorie... Doch neuere Studien wie die von Akin-Little und Little (2004) oder Bright und Penrod (2009) konnten diesen Effekt nicht feststellen.

Akin-Little, K. Angeleque; Little, Steven G. (2004): Re-Examining the Over Justification Effect. In: Journal of Behavioral Education 13 (3), S. 179–192. DOI: 10.1023/B:JOBE.0000037628.81867.69.
Boldak, Agnieszka; Guszkowska, Monika (2013): Are skydivers a homogenous group? Analysis of features of temperament, sensation seeking, and risk taking. In: The International Journal of Aviation Psychology 23 (3), S. 197–212. DOI: 10.1080/10508414.2013.799342.
Bright, Candice N.; Penrod, Becky (2009): An evaluation of the overjustification effect across multiple contingency arrangements. In: Behavioral Interventions 24 (3), S. 185–194. DOI: 10.1002/bin.284.
Butkovic, Ana; Ullén, Fredrik; Mosing, Miriam A. (2015): Personality related traits as predictors of music practice: Underlying environmental and genetic influences. In: Personality and Individual Differences 74, S. 133–138. DOI: 10.1016/j.paid.2014.10.006.
Fang, Xiaowen; Zhang, Jingli; Chan, Susy S. (2013): Development of an instrument for studying flow in computer game play. In: International Journal of Human-Computer Interaction 29 (7), S. 456–470. DOI: 10.1080/10447318.2012.715991.
Hunter, Patrick G.; Schellenberg, E. Glenn (2011): Interactive effects of personality and frequency of exposure on liking for music. In: Personality and Individual Differences 50 (2), S. 175–179. DOI: 10.1016/j.paid.2010.09.021.
Langmeyer, Alexandra; Guglhör-Rudan, Angelika; Tarnai, Christian (2012): What do music preferences reveal about personality? A cross-cultural replication using self-ratings and ratings of music samples. In: Journal of Individual Differences 33 (2), S. 119–130. DOI: 10.1027/1614-0001/a000082.
Park, Mona; Hennig-Fast, Kristina; Bao, Yan; Carl, Petra; Pöppel, Ernst; Welker, Lorenz et al. (2013): Personality traits modulate neural responses to emotions expressed in music. In: Brain Research 1523, S. 68–76. DOI: 10.1016/j.brainres.2013.05.042.
Quintin, Eve-Marie; Bhatara, Anjali; Poissant, Hélène; Fombonne, Eric; Levitin, Daniel J. (2011): Emotion perception in music in high-functioning adolescents with autism spectrum disorders. In: Journal of Autism and Developmental Disorders 41 (9), S. 1240–1255. DOI: 10.1007/s10803-010-1146-0.
Roozen, Hendrik G.; Wiersema, Hans; Strietman, Martin; Feij, Jan A.; Lewinsohn, Peter M.; Meyers, Robert J. et al. (2008): Development and psychometric evaluation of the Pleasant Activities List. In: The American Journal on Addictions 17 (5), S. 422–435. DOI: 10.1080/10550490802268678.
Tavener, Meredith; Vo, Kha; Byles, Julie E. (2015): Work and other activities in retirement. In: Journal of the American Geriatrics Society 63 (7), S. 1476–1477. DOI: 10.1111/jgs.13548.